In unserer Serie „Mein Flugerlebnis“ lassen uns ehemalige Flugschüler, Charterkunden und weitere Angehörige an besonderen Flügen & Erlebnissen teilhaben, die sie als Pilot erlebten. Haben auch Sie eine besondere Flugsituation erlebt oder ein für Sie außergewöhnliches Ziel angesteuert? Dann teilen Sie Ihre Eindrücke mit der Piloten-Community! Auch das ist MG flyers, denn wir verstehen uns neben unserer Tätigkeit als Flugschule weitergehend als Plattform aktiver Piloten, Fluglehrer und Schüler.

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Übersicht bisheriger Beiträge:

#1 – Low Approach am Flughafen Düsseldorf
#2 – Fliegen am Gletscher
#3 – Auf nach Berlin-Schönefeld
#4 – Inselrundflug Mallorca
#5 – Solo Dreiecksflug
#6 – Lukas Weg bei MG flyers
#7 – Ein besonderes Jubiläum

#7 - Ein besonderes Jubiläum

50 Jahre im Zeichen des Motorflugs: Am 01.06.1970 absolvierte Hajo seine erste Stunde als Flugschüler

Man kann es zweifelsohne als goldenes Jubiläum bezeichnen, wenn unserer Fluglehrer und technischer Betriebsleiter Hajo heute am 01.06.2020 zum Flugplatz kommt.

Auf den Tag genau vor 50 Jahren absolvierte er seine erste Stunde als Flugschüler am Flugplatz in Hangelar – damals noch auf Gras. Das Ziel war klar definiert: Der Erwerb des Luftfahrerscheins für Privatflugzeugführer bei der Luftfahrerschule NRW. Mit 17 schnupperte Hajo bereits einmal kurz in die Segelfliegerei hinein, faszinierte sich fortan aber für den Motorflug. „Der Erwerb des Luftfahrerscheins ergab sich damals eher zufällig beruflich. Mein Chef machte einen Schein und fragte mich, ob ich nicht auch Interesse hätte, das Flugzeug als berufliches Fortbewegungsmittel nutzen zu können.“

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Das erste Flugbuch wird wohl jedem Piloten ein Leben lang in besonderer Erinnerung bleiben.
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Heute schreibt Hajo seine Flugzeiten in das mittlerweile 21te Flugbuch seit Scheinerwerb im Jahr 1970. Knapp 25.500 Landungen stehen in über 9.000 Flugstunden zu buche. Die 9.000-Stundenmarke knackte er mit einem seiner Lieblingsflugzeuge: einer Beach Bonanza. Während seiner fliegerischen Karriere flog Hajo bereits zahlreiche Muster, teils auch exotischeren Typs. die heute an den meisten Flugplätzen verschwunden sind. „In Hangelar ergab sich in den 1970er Jahren die Möglichkeit mit einer dort stationierten Aero 145 zu fliegen.“ Den Nachfolger dieses tschechischen Fabrikats, eine Morava mit der Kennung D-GADA (siehe Bild unten), flog er in den Folgejahren ebenfalls. Heute zählt neben der Bonanza vor allem die Piper PA44 zu seinen Favoriten.

Auf die Frage nach besonderen Ausflügen & Erlebnissen in über 9.000 Stunden Flugzeit berichtet Hajo von Touren durch ganz Europa – von Norwegen bis Gibraltar. Eindrücklich in Erinnerung geblieben sind Reisen im Kleinflugzeug nach Norwegen, das dortige Fliegen in den Fjorden, wie auch Flüge durch die dänische Südsee. „Es müssen nicht immer die Bahamas sein – bei sonnigem Wetter strahlt das Meer der dänischen Südsee ähnlich türkis und exotisch anmutend.“ Vor allem in Dänemark schwärmt Hajo vom unkomplizierten Fliegen und gut ausgestatten Flugplätzen. „Es gibt viel zu sehen: Die Insel Vejrø ist bspw. ein vielerorts unbekanntes Terrain mit angegliedertem Resort und Flugplatz, das mich sehr interessierte. Die Insel ist als reine Selbstversorgerinsel bekannt. Alle Produkte werden lokal hergestellt.“ Auf dem Trip nach Vejrø begleiteten Hajo seine Freunde Wolfgang und Hans-Herbert mit einer PA44. Das eingespielte Team nennt er auch gerne liebevoll „seine Oldtimer“.

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Aero 145 – D-GADA
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Einstieg am Flugplatz Hangelar
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Tschechisches Fabrikat: Morawa L-200

Im Norden ging es mit der Bonanza bis Trondheim. In südlichen Gefilden blieben Touren an die Adriaküste mit ihren wunderbaren Hafenstädten Split & Dubrovnik oder auch Flüge nach Italien und Südfrankreich nachhaltig in Erinnerung. „Interessant war auch der Besuch auf Gibraltar mit seinem Flughafen, bei dem die Piste unmittelbar von einer öffentlichen Straße gekreuzt wird. Bei anfliegendem Verkehr erfolgt dann die Sperrung per Ampel und Schranke.“ Als präferierte Reiseart bevorzugt Hajo seit vielen Jahren das gemeinsame Fliegen mit mehreren Luftfahrzeugen im losen Verband – und dies nach Sichtflugflugregeln.

Als deutsches Reiseziel steht wie bei vielen Piloten die Nordseeinsel Juist hoch im Kurs. Dies liegt einerseits am schönen Flugplatz und der Ursprünglichkeit der Insel ohne Autoverkehr. „Schöne Erinnerungen verbinde ich auf Juist vor allem mit meiner Tätigkeit als Fluglehrer in der Jugendbildungsstätte (JuBi). Hier durfte ich in den Sommermonaten mehrfach Azubis und duale Studenten von Airbus das Fliegen auf Motorseglern näherbringen. Sie lernen hier Schlüsselqualifikationen und die im Verlaufe der Zeit entstehende Gruppendynamik ist immer wieder beeindruckend.“

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Approaching St. Moritz
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Flug durch die norwegischen Fjorde
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Außergewöhnlicher Anblick: Lenticularis bei Korsika
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Schein zum Privatluftfahrzeugführer 1970
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Fliegertour in Richtung Palermo
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Küste in Südfrankreich
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Gelandet mit einer PA44 im dänischen Vejrø: Wolfgang, Hans-Herbert und Hajo

Im Gespräch mit Hajo wird schnell klar, dass die Schulung angehender Piloten ihm großen Spaß bereitet. 1980 erwarb er gut zehn Jahre nach der Privatpilotenlizenz beim gleichen Fluglehrer wie damals die Lehrberechtigung. „Mein Beweggrund war seinerzeit eigentlich, im Verein Piloten für Schleppflüge von Segelflugzeugen ausbilden zu können. Da diese Berechtigung aber mit hohen Auflagen verbunden war, sagte ich mir: Warum nicht gleich die vollständige Lehrberechtigung? Eine Entscheidung, die sich natürlich auszahlte.“ In knapp 40 Jahren Fluglehrertätigkeit schulte Hajo in Mönchengladbach zwei Jahrzehnte bei der RWL, ehe er 2012 zu MG flyers kam. Über 200 ausgebildete Schülerinnen und Schüler begleitete er auf dem Weg zur Pilotenlizenz. Neben seiner Tätigkeit als Fluglehrer und Ausbilder für angehende Fluglehrer, kümmert sich Hajo bei MG flyers um die Technik der Luftfahrzeuge. Er bekleidet die Position des technischen Betriebsleiters, bei der er durch seine umfangreiche Erfahrung schon bei so manchem technischen Problem auf dem Weg zur Werft bereits wusste, wo der Schuh drückt.

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Teambesprechung bei MG flyers
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Flugschulalltag
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Glückwünsche an eine neue Pilotengeneration
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Das MG flyers Team bei der Taufe des Neuzugangs: D-EDZW (Piper PA38)

Wenn man fragt, welche speziellen Ziele er für die kommenden Jahre im Motorflug besitzt, so zieht er zunächst ein spontanes Resüme: „Ich bin sehr zufrieden mit dem Erreichten und freue mich auf viele schöne bevorstehende Flugstunden. Zwei Dinge sind mir für die Zukunft wichtig: Ich möchte mich weiterhin für den fliegerischen Nachwuchs einsetzen und eine neue Generation von Piloten und Fluglehrern ausbilden, die den Fortbestand der privaten Luftfahrt bedeuten. Heute bin ich bei bester Gesundheit. Ich möchte irgendwann selbst aus eigenen Stücken entscheiden, wann ich mit der aktiven Fliegerei aufhöre.“

Man merkt sichtlich, dass ihn die Luftfahrt auch nach 50 Jahren weiterhin begeistert. Das ganze Team von MG flyers gratuliert zu 9.000 unfallfreien Flugstunden und einem besonderen Jubiläum. Wir danken Dir Hajo für Deine Tätigkeit bei MG flyers und wünschen viele schöne Flüge!