In unserer Serie „Mein Flugerlebnis“ lassen uns ehemalige Flugschüler und Charterkunden an besonderen Flügen teilhaben, die sie als Pilot erlebten. Haben auch Sie eine besondere Flugsituation erlebt oder ein für Sie außergewöhnliches Ziel angesteuert? Dann teilen Sie Ihre Eindrücke mit der Piloten-Community (Kontakt per Mail)! Auch das ist MG flyers, denn wir verstehen uns neben unserer Tätigkeit als Flugschule weitergehend als Plattform aktiver Piloten, Fluglehrer und Schüler.

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#3 - Auf nach Schönefeld

Jakobs Ausflug nach Berlin
Einleitung

Ein Dreivierteljahr nach meinem PPL-Erwerb wagte ich im April 2018 den nächsten Schritt in meiner noch jungen Pilotenlaufbahn: Bekannte baten mich, sie von einem Geschäftstermin in Berlin abzuholen – dies ließ ich mir nicht zwei Mal sagen. Um einmal bei den „Großen“ mitzumischen, entschied ich mich direkt für den internationalen Verkehrsflughafen Berlin Schönefeld – keine halben Sachen!

Tag 1 – Vorbereitung

Gemeinsam mit meinem Co-Piloten Jonas plane ich den Flug am Vorabend: Neben Streckenplanung, Prüfung der Luftraumstruktur und einem Wetterbriefing prüfen wir die NOTAMs und werden fündig: aufgrund der anstehenden Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung „ILA“ wird die Berliner Kontrollzone im Süden temporär ausgeweitet, um den anfliegenden VFR-Verkehr besser kontrollieren zu können. Zudem werden für diesen Zeitraum neue Pflichtmeldepunkte (u.a. MIKE) eingeführt.

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Tag 1 – Hinflug

Beim Start mit der gecharterten Piper P28A am Samstagmorgen liegt Mönchengladbach noch in feuchtem Dunst mit eingeschränkten Sichten von 3500 m. Daher erbitten wir beim Tower eine Sonderfreigabe nach Sonder-Sichtflugregeln (S-VFR) und erhalten diese promt über Funk – Bedingung ist, dass wir während des Abflugs das einzige Flugzeug in der Kontrollzone sind. Wir fliegen auf Ostkurs Richtung Berlin. Der Flug verläuft ruhig. Die Sichten verbessern sich zögerlich, sind aber ausreichend – genau wie wir es aufgrund unseres Wetterbriefings erwartet haben.

Tag 1 – Zwischenlandung und Tanken in EDAZ Schönhagen

Nach kurzem Tankstopp im Südwesten Berlins in Schönhagen (siehe Foto; Pilot Jakob links und Co-Pilot Jonas rechts) geht es weiter zum internationalen Verkehrsflughafen Berlin Schönefeld.

Tag 1 – Ankunft Schönefeld

Im Funk melden wir uns bei Schönefeld Tower und erhalten eine Freigabe zum Einflug in die Kontrollzone über den temporären Pflichtmeldepunkt M. Dieser ist extra für den Zeitraum der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung zeitweise eingerichtet und nicht in den Standardanflugkarten verzeichnet – eine gute Flugvorbereitung ist gefragt!

Der Tower schickt uns direkt in den Queranflug der Piste 25R. Großes Verwechslungspotential birgt beim Überflug die Piste 07R/25L, welche offiziell noch in Bau befindlich ist und zum neuen direkt angrenzenden Flughafen „BER“ gehört. Auch hier hat sich eine genaue Prüfung der VFR-Anflugkarte im Vorfeld am Boden ausgezahlt, sodass wir auf Anhieb die richtige Piste identifizieren. Wir überfliegen das neue Terminalgebäude des „BER“ – ein interessanter Anblick aus der Luft.

Da auf der Piste 25R gerade eine Eurowings-Maschine startet, fliegen wir noch einen kleinen Schlenker und staffeln uns damit selbst, um nicht in die Luftverwirbelungen des großen Airliners, die sog. „Wirbelschleppen“, zu geraten. Nach der Landung werden wir mit einem Follow-Me-car empfangen und mit einem kleinen Shuttle-Van vom Flugzeug zum General Aviation Terminal (GAT) gefahren – es fehlt eigentlich nur noch der rote Teppich.

Kurz vorbei am Zoll und der Security entrichten wir alle anfallenden Entgelte für Landegebühr, Handling, ATC-Gebühr etc. – insgesamt ein sehr teurer Spaß, aber eine interessante Erfahrung, die man einmal im Pilotenleben gemacht haben sollte.

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Tag 2 – Flugvorbereitung Rückflug

Nach einem schönen Aufenthalt in Berlin mit Übernachtung geht es am Sonntag zurück.

Das Wetterbriefing am Morgen ergibt, dass am späten Nachmittag Gewitterzellen aus den Niederlanden nach Deutschland Richtung Mönchengladbach ziehen. Daher starten wir unseren Rückflug ein paar Stunden früher als geplant – safety first!

Tag 2 – Abflug Schönefeld

Für den Abflug beantragen wir einen Slot beim Flughafenkoordinator; dies ist nur bei sehr großen Flughäfen erforderlich, in Schönefeld nur aufgrund der anstehenden „ILA“. Dann geht es schnell zum Flugzeug – bloß nicht das zugewiesene Zeitfenster verpassen!

Nach erhaltener Rollfreigabe stehen wir schließlich am Rollhalt der Piste 07L und warten aufmerksam auf die Starfreigabe. Knapp eine Viertelstunde müssen wir warten; in der Zwischenzeit sehen wir vier Airliner landen und drei Maschinen starten. Nachdem noch zwei Maschinen die Piste gekreuzt haben, erhalten wir endlich unsere Startfreigabe.

Wir starten und drehen nach Süden ab; aus der Luft ist der Verkehr auf den Taxiways gut erkennbar.

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Tag 2 – Anflug Mönchengladbach

Der Rückflug verläuft wie geplant. Aufmerksam prüfen wir immer wieder das Wetterradar, das vorhergesagte Gewitter zieht uns langsam entgegen, wir liegen jedoch gut im Zeitplan. Im Anflug auf Mönchengladbach sehen wir Niederschlag und einige Blitze hinter der Niederländischen Grenze – noch in sicherer Entfernung. Eine Dreiviertelstunde nach unserer Landung zieht das Unwetter an uns vorbei, während wir den Flug bei einem Kaffee nachbereiten. Auch hier hat sich ein gewissenhaftes und kontinuierliches Wetterbriefing ausgezahlt.

Zusammenfassung

Insgesamt war der Flug nach Berlin eine sehr gute und lehrreiche – wenngleich auch teure – Erfahrung. Der PPL-Erwerb am kontrollierten Verkehrslandeplatz Mönchengladbach hat uns gut auf diesen Flug vorbereitet, da die gelernten Verfahren weitestgehend identisch sind. Wir haben die zuvor vorhandene Skepsis gegenüber großen internationalen Flughäfen nun abgelegt und fühlen uns gewappnet für weitere Flüge – auch über die deutschen Grenzen hinaus.

Welches war Ihr schönstes Flugerlebnis? Teilen Sie Ihre fliegerischen Eindrücke mit uns (Kontakt per Mail).