Eindrücke von einem Simulator-Flug:
Blick über den Tellerrand: Warum Notfall-Training im Simulator für jeden PPLer/ATPLer Pflicht sein sollte
Wir alle kennen das: Wir chartern unsere vertraute Maschine (in meinem Fall eine Piper PA-28 Warrior II bei den MG Flyers), wo der Ablauf wie gewohnt absolut reibungslos und professionell läuft –, planen die Tour, prüfen NOTAMS und das Wetter, machen unseren gründlichen Vorflugcheck und genießen die Airtime. Man fühlt sich sicher, die Routine sitzt. Aber Hand aufs Herz: Wie oft trainieren wir im realen Flug wirklich die Szenarien, die uns den Schweiß auf die Stirn treiben würden?
Klar, gerade am Anfang der fliegerischen Karriere gibt einen Übungsflug, oder spätestens zum Scheinerhalt werfen wir mal das Gas raus und simulieren eine Ziellandung. Aber was ist mit den echten, komplexen Notfällen?
Ich hatte vor Kurzem die Gelegenheit, genau das zu ändern. Unsere Flugschule verfügt über einen FNTP-zugelassenen Flugsimulator von ALSIM, und ich habe dort zum ersten Mal ein dezidiertes Emergency- und Notfall-Training mit meinem Fluglehrer Lukas absolviert. Mein Fazit vorweg: Es war extrem eindrucksvoll – und ein absoluter Augenöffner.

Dinge trainieren, die man (zumindest ich) in echt niemals erleben will
Das Geniale (und gleichzeitig Einschüchternde) an einem zertifizierten Simulator ist die Möglichkeit, Szenarien absolut stressfrei für Leib und Leben, aber unter maximal mentalem Fokus durchzuspielen. Dinge, die man im echten Flieger aus Sicherheitsgründen niemals bis zum Letzten ausreizen würde.
- Der klassische Triebwerksausfall nach dem Start (EFATO): Im echten Cockpit zieht der Fluglehrer das Gas in sicherer Höhe. Im Simulator hieß es: Triebwerksausfall in 300 Fuß über Grund, die Nase geht schlagartig nach unten, und man muss innerhalb von Sekundenbruchteilen die richtige Entscheidung treffen. Umkehren oder geradeaus? Das zu fühlen und die sinkende Speed zu sehen, brennt sich ein.
- Systemausfälle im Cockpit: Ein schleichender Abfall des Öldrucks, ein plötzlicher Totalausfall der Elektrik, verstopftes Staurohr. Im Simulator kannst du die Emergency Checklist unter realem Zeitdruck abarbeiten, während das System auf deine Eingaben exakt so reagiert wie die echte Avionik.
- Wetter-Umschwung: Plötzlicher Einflug in IMC (Instrumentenflugbedingungen). Wie verhält man sich, wenn der Horizont draußen verschwindet? Die 180-Grad-Kurve im Simulator zu fliegen, während die Orientierung flöten geht, zeigt einem ganz schnell die eigenen Grenzen auf.
Muskelgedächtnis und mentale Hardening
Was ich aus dieser Session mitnehme, ist nicht nur ein tiefer Respekt vor den Verfahren, sondern vor allem mentale Klarheit. Wenn im echten Flug etwas passiert, bleibt keine Zeit, um im Flughandbuch nachzuschlagen. Im Simulator schult man genau dieses Muskelgedächtnis: Aviate, Navigate, Communicate – und zwar genau in der Reihenfolge, während der Alarmton im Ohr dröhnt oder es plötzlich dunkel ist und man über Funk niemanden mehr erreichen kann.
Man lernt, den Tunnelblick zu durchbrechen, die Prioritäten richtig zu setzen und die Checkliste strukturiert runterzubeten, anstatt in Aktionismus zu verfallen.
Mein Appell an euch: Nutzt die Technik!
Als PPL/ATPL-Inhaber neigen wir manchmal dazu, den Simulator als reines Werkzeug für die Instrumentenflieger (IR) abzutun. Das ist ein Trugschluss. Gerade für uns VFR-Piloten bietet ein FNTP-Trainer die perfekte, risikofreie Umgebung, um das eigene Können auf die Probe zu stellen und kritische Prozeduren aufzufrischen.
Die Investition in eine Stunde Simulator-Zeit mit einem fähigen Trainer ist eine der besten Investitionen in die eigene Flugsicherheit, die man machen kann. Es gibt einem ein völlig neues Level an Selbstvertrauen für den nächsten realen Flug.
Fliegt sicher, bleibt in Übung – und gönnt euch ab und zu den kontrollierten Stress im Simulator!
Always happy landings!


