Flugschüler Christian bloggt

Unser Flugschüler führt einen Blog über seine Eindrücke & Erfahrungen zur Privatpilotenlizenz PPL(A)

Über eine Pilotenausbildung können unsere Fluglehrer & Mitarbeiter bei MG flyers Ihnen bereits einen Überblick und viele Informationen zukommen lassen. Aber sind nicht die ungefilterten Eindrücke eines Flugschülers viel authentischer, um sich ein umfassendes Bild über die Schritte zur Pilotenlizenz zu machen? Unser Flugschüler Christian hat im August 2017 seine Ausbildung zum Privatpiloten bei uns begonnen und wird in den kommenden Monaten in einem Blog regelmäßig von seinen Erfahrungen, Erfolgen, wie auch Rückschlägen auf dem Weg zum Luftfahrerschein berichten.

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#3 - Wind, Wetter und ein (Lern-) Urlaub

Oktober 2017 – Fliegen und Landen bei Wind

Ein mulmiges Gefühl – Notverfahren in Theorie und Praxis
Nachdem der eine oder andere Flugtermin leider wetterbedingt abgesagt werden musste, konnten wir nach einer gefühlten Ewigkeit endlich wieder in die Luft gehen. Zur Abwechslung ging es diesmal aber zunächst mit der theoretischen Einweisung in Notverfahren los: VOR- und GPS-Nutzung bei Orientierungsverlust, Feuer an Bord, Triebwerks- oder Funkausfall, Not- und Sicherheitslandungen, plötzliche Wetterverschlechterungen… Viel Input und ein wenig mulmig wird einem da schon. Auch wenn alle Verfahren umfangreich besprochen und auch die Hintergründe detailliert erläutert wurden. In der Theorie habe ich das alles verstanden, aber ob das im Ernstfall wirklich so klappt? Aber das werden wir noch üben.

Die erste praktische Übung von Not- und Sicherheitslandungen, sowie VOR- und GPS-Nutzung, lies dann auch nicht lange auf sich warten. Das haben wir dann in der Nähe des Flugplatzes Grefrath gemacht, natürlich aus sicherer Höhe, und los geht’s: Gas raus, Motorausfall simuliert. Jetzt schnell die Nase runter, Geschwindigkeit für bestes Gleiten und eine geeignete Landemöglichkeit suchen. Ein geeignetes Feld ist gefunden, lang genug und nicht hoch bewachsen mit einem offensichtlich tragfähigen Untergrund. Wir fliegen an. In (sehr) geringer Höhe dann aber wieder Gas rein und ab die Post in die sichere Luft… Erleichterung, war zum Glück nur eine Übung!

Ich kann mich noch genau an meine spätere Heimfahrt erinnern und mein Hauptgedanke war: Das war ganz schön viel heute! Gleichzeitig bin ich aber davon überzeugt, dass diese Übungen wichtig sind und ich fühle mich, als ob ich einen weiteren Schritt in der Ausbildung gemacht habe. Sicherlich bin ich jetzt etwas besser für den Notfall gewappnet!

Meine größte Herausforderung und Hauptlernziel: Die perfekte Landung
Landungen sind derzeit meine größte Herausforderung! In der Theorie klingt der Ablauf der perfekten Landung immer so leicht – in der Praxis stellt sie sich dann leider als doch nicht so einfach heraus.

Viele Platzrunden habe ich im ersten Ausbildungsabschnitt nun bereits an den Flugplätzen in Mönchengladbach & Essen absolviert. Einige Landungen stimmen mich positiv, andere lassen mich beinahe verzweifeln. Das Training zur perfekten Landung ist ein stetiges „Auf und Ab“, wobei mir mein Fluglehrer und andere Bekannte aus der Flugschule versicherten, dass dies im aktuellen Abschnitt der Ausbildung ganz normal sei. Im Moment stehe ich in etwa bei Landung Nummer 60.

Aufgrund der Jahreszeit gilt es insbesondere bei Seitenwind hoch aufmerksam zu sein! Ziel ist es nicht mit dem Flieger gegen den Wind zu kämpfen, sondern vielmehr den Flieger fliegen und kontrolliert bis zum Bodenkontakt aller drei Reifen sinken zu lassen. Bei 9 Knoten Seitenwind, in Böen auch mal bis 24 Knoten und häufig wechselnden Windrichtungen ist dies aber manchmal leichter gesagt, als getan. Ab und an ist das dann doch noch alles ein bisschen viel auf einmal für mich! Es geht nur noch darum, ständig aufmerksam zu sein, schnell und vorausschauend zu agieren. Nicht überreagieren, der Flieger selbst ist schon aufgeregt genug, also locker lassen – leichter gesagt als getan, und ich wünsche mir so manchen Tag die ruhigen Schönwetter-Fliegermonate meines Ausbildungsbeginns zurück! Umso beeindruckender ist es allerdings zu sehen, wie einfach und gezielt mein Fluglehrer die Maschine zurück auf die richtige Position bringt, wenn mich der Wind mal wieder spontan verweht. Das will ich auch mal können – und dafür bin ich ja hier! 😉

Apropos besondere Landebedingungen: Der Flugplatz unseres kleinen Ausflugs nach Grefrath bot noch eine weitere aufregende Abwechslung. Hier gibt es keine asphaltierte Piste wie ich es aus Mönchengladbach und Essen gewohnt war, sondern in Grefrath bin ich das erste Mal auf Gras gelandet, eine ganz neue Erfahrung für mich! Vorbei am kleinen Turm geht’s zurück auf die Piste und dann mit Kurzstart auf ausreichend Höhe zur nächsten Landung… und noch einmal! Zurück in Mönchengladbach weiß ich nun den Komfort einer Asphalt-Piste besser zu schätzen.

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Noch mehr Platzrunden und viel Neues: selbst Funken, Tanken und Flüge in der Dämmerung
Ende des Monats konnte ich bei einem kurzen Überlandflug nach Essen/Mühlheim das erste Mal die „PTT-Taste“ drücken und selber funken. Für mich die Gelegenheit also, das Funken beim Ab- und Anflug auf kontrollierte sowie unkontrollierte Plätze abwechselnd zu üben. Wie aufregend das war! Ohne zu großes Stammeln hat es sogar auf Anhieb ganz gut geklappt! Ehrlich gesagt war ich aber froh, dass ich am Anfang keine besonderen ATC-Anweisungen bekam und ich ganz gut parieren konnte. In Essen ging es dann auch zum ersten Mal an die Tankstelle, fast wie beim Auto. Der Flugschüler tankt, aber der Lehrer übernimmt die Rechnung – läuft also! 😉

Und noch etwas war neu: Erst in der Dämmerung zurück nach Mönchengladbach zu kommen! Schon ziemlich erstaunlich, wie stark sich die Sichtbedingungen verändern, wenn die Sonne weg ist. Da weiß man sofort, warum eine Nachtflug-Ausbildung im Anschluss an die PPL-Ausbildung ein weiterer wichtiger Schritt ist!

Theorie im Urlaub: Wind und schlechtem Wetter entfliehen
Was ist eigentlich nochmal die Präzession eines Kreisels? Welchen Winkel hat die Drehachse der Erde? Wo finde ich im Flugzeug eine Aneroiddose und was kann ich damit messen?

Nach der ganzen Aufregung um die letzten durchwachsenen Landeversuche bei starkem Wind mit einem anderen Fluglehrer, stand jetzt erst mal eine Woche Urlaub in der Sonne für mich an! Übrigens: Den böigen Wind haben wir natürlich auch dorthin mitgenommen! 😉 Zwischen gutem Essen, Sport, Essen, Ausruhen und wieder Essen war auch immer mal etwas Zeit für Theorie: Allgemeine Luftfahrzeugkunde, Instrumentierung, Masse und Schwerpunkt, Kommunikation sowie Flugleistung standen auf dem Lehrplan. Sehr viele spannende Informationen, von denen mir ein Teil noch aus dem Physikunterricht in der Schule bekannt vorkam. Auch trigonometrische Funktionen sind plötzlich wieder von Interesse… Die Zeit habe ich jedenfalls effektiv genutzt, es gibt in jedem Fall schlechtere Umfelder zum Lernen.

Bald steht meine Prüfung für das Sprechfunkzeugniss BZF an. Auch geht es in der Praxisschulung weiter: Mal sehen, ob ich was verlernt habe?!?